DVR „Todemüde? Ohne mich!“

In Zusammenarbeit mit dem interdisziplinären Zentrum für Verkehrswissenschaften und unter bewusstem Verzicht auf ausführliche theoretische Abhandlungen hat M.I.T mit „Todemüde? Ohne mich!“ ein Programm realisiert, das für Müdigkeit im Straßenverkehr sensibilisieren und eine Verhaltensänderung bewirken soll.

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Todmüde
Junge Fahrer

Müdigkeit am Steuer endet häufig tödlich.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Müdigkeit als Unfallursache noch vor Alkohol- und Drogenmissbrauch kommt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht in einer Studie davon aus, dass ein Viertel aller tödlichen Unfälle im Straßenverkehr auf den so genannten Sekundenschlaf zurückzuführen ist. Eine erschreckend hohe Unfallzahl, und dennoch - kaum einer fühlt sich wirklich tangiert. Insbesondere Berufskraftfahrer, Reisebusfahrer, Schichtarbeiter oder Berufspendler zählen zu den betroffenen Zielgruppen. Jetzt haben der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die gewerblichen Berufsgenossenschaften erneut die Initiative ergriffen.

Körperliche Belastung bei der Arbeit hat drastisch abgenommen, so die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Die Informationstechnologien sowie die zunehmende Mobilität haben jedoch dazu geführt, dass Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten erheblich angestiegen sind. "Die Bewältigung dieser Aufgaben unterfordert zunehmend die Motorik, beansprucht aber unter monotonen Bedingungen aufs Äußerste die Daueraufmerksamkeit" . Auch unsere innere Uhr, die Funktionen wie Körpertemperatur, Kreislauf oder Leistungsfähigkeit steuert, wird heute zugunsten von Produktions- und Serviceprozessen häufig gänzlich ignoriert.

Die Aufgabe

Müdigkeit wird besonders im Straßenverkehr als Problem oft unterschätzt. Gefährdet sind vor allem Personen, die berufsbedingt häufig und lange mit dem Fahrzeug unterwegs sind, wie Reisebus-, LKW-, oder Taxifahrer, Schichtarbeiter, Berufspendler oder Freizeitfahrer. Doch gerade sie sind für die Problematik nicht ausreichend sensibilisiert und im Umgang mit Müdigkeit kaum trainiert. "Die letzten paar Kilometer, die geh'n immer noch." Das könnten allerdings auch ganz schnell die allerletzten sein. Auch wenn man sich noch relativ fit fühlt, ist die tatsächliche Leistungsfähigkeit meist schon sehr viel geringer als man denkt. Kommen dann noch Einflussfaktoren wie Zeitdruck, Schlafmangel, falsche Ernährung oder die Einnahme von Medikamenten hinzu, wird das ganze schnell zu einem tödlichen Cocktail. So steigt das Unfallrisiko an, je später in der Nacht, je länger der Arbeitstag und je unregulärer die Arbeitszeit. Die meisten winken Hinweise darauf mit einem wohlwissenden "Weiß ich doch" ab und setzen sich trotzdem noch nach Mitternacht übermüdet ans Steuer. Autofahren wird von Vielen nämlich als automatisierte, routinierte Tätigkeit angesehen, die "noch im Schlaf" ausgeführt werden kann. Und das ist gefährlich. "Fahrsimulationsstudien haben gezeigt, dass Müdigkeit nicht schlagartig einsetzt sondern sich allmählich aufbaut", warnt Dr. Volker Hargutt vom Interdisziplinären Zentrum für Verkehrswissenschaften an der Universität Würzburg, der maßgeblich an der Programmkonzeption beteiligt war. Hier eine Sensibilisierung und Verhaltensänderung zu bewirken, ist besonders schwierig, weil die Selbstwahrnehmung und der physiologische Zustand des Organismus auseinander klaffen. "In den meisten Fällen sind sich die Fahrer auch ihrer Müdigkeit bewusst, überschätzen jedoch ihre eigene Leistungsfähigkeit", so Volker Hargutt. Ziel des Programms ist es daher, für den eigenen Körper und die Signale, die er sendet, genauso empfänglich zu machen, wie für die äußeren Einflussfaktoren. Denn wer schon beim ersten Gähnen an die möglichen (tödlichen) Folgen denkt, dem ist meist mehr geholfen als mit tausend mahnenden Worten vor und während der Fahrt.

Die Lösung

Integriertes Konzept:
Das computerbasierte Programm "Todmüde? Ohne mich!" entstand in einem Team aus Psychologen, berufsgenossenschaftlichen Fachexperten, Multimediaexperten und dem deutschen Verkehrssicherheitsrat. Es ist Bestandteil eines Trainingskonzeptes, das Präsenz-Seminare mit eLearning-Inhalten kombiniert, aber auch als Stand-Alone-Anwendung für Interessierte bereitsteht.

Das CBT

Unter bewusstem Verzicht auf ausführliche theoretische Abhandlungen zur Entstehung von Müdigkeit hat die Friedrichsdorfer Agentur M.I.T newmedia ein Programm realisiert, das für Müdigkeit im Straßenverkehr sensibilisieren und eine Verhaltensänderung bewirken soll.

Das Programm führt den Lerner daher über vielfältige spielerische Aufgaben und Übungen an das Thema heran. Es werden keine Verhaltensregeln in den Mittelpunkt gestellt, sondern Bilder und Videosequenzen mit typischen Situationen aus dem Berufsalltag der Zielgruppe. Die monotone Autofahrt und die Schrecksekunde kurz vorm Straßengraben werden erlebbar, in das Thema Schlafapnoe (Atemaussetzer) wird über ein "Schnarchmemory" eingeführt, kurz: Die Szenen und Übungen sichern den Bezug zum eigenen Erleben und zeigen tieferes Verständnis für Motive ebenso wie sie auf die besondere Situation einzelner Berufsgruppen eingehen. Der Anwender - ob Berufskraftfahrer oder Pendler - wird persönlich angesprochen und mit sich selbst und seinen Gewohnheiten konfrontiert. Wieso macht die Schweinshaxe müde und was haben meine Tabletten damit zu tun?

Identifikationsfläche auf einer anderen Ebene bieten die animierten Comic-Figuren Paule und Karl: Sie sprechen in ihrem "Disput" auf der Metaebene aus, was viele der Anwender beim Hören der wohlbekannten Hinweise denken. Mit den Figuren werden Vorbehalte, Erfahrungen und oft auch zu recht vorgebrachte Einwände der Zielgruppe wie z.B.: "Ich soll anhalten, aber es gibt doch gar keine Stellplätze mehr" oder "Ich verliere meinen Job, wenn ich den Zeitplan nicht einhalte" aufgefangen. Damit nehmen sie Gedanken und Einwände der Anwender ernst. Paule und Karl haben die Aufgabe, Offenheit und Akzeptanz zu schaffen, um Vorbehalte aufzubrechen.

Grundlegende Tipps zur Schlafhygiene sowie gezielte Hilfestellungen für unterschiedliche Fahrerprofile beim Kampf gegen die Müdigkeit runden das Programm ab.